Ausstellungen

Mythos der verlorenen Figurationen

„Etwas Unerforschliches zu erforschen. Es bis zu einem gewissen erstaunlichen Grad von Möglichkeiten aufzudecken.“
- Thomas Bernhard (aus  „Frost“)

Seit ich denken kann, sehe ich mich als Forscher. Ein Erforscher dessen, wie es einem gehen kann. Ein schließlich unendliches Ergründen all der uns als Menschen möglichen Seinszustände. Der Ort, wo wir diese ganz bestimmte Art von Forschung betreiben können, ist die Kunst. Wie kann es mir gehen? Wie kann es dir gehen? Wie kann es uns allen gehen? Und wie ist es uns allen, seitdem wir als Menschen existieren, gegangen? Das ist die Geschichte der menschlichen Existenzerfahrung, und das ist als Maler mein Forschungsgebiet.
In den letzten Jahren habe ich die zeitgenössische Malerei intensiv studiert, und eine bestimmte Art von Figuration, die momentan ganz klar dominiert, ist mir dabei sehr bald schon auch in meinen Arbeiten aufgefallen: Figurationen, die sich in einem Schwebezustand zwischen Abstraktion und Figuration befinden. Gestalten die sich aus einer abstrakten Malweise herauskristallisiert haben, teils abstrakt und damit verbunden mit dem abstrakten Raum, in den sie hineingeboren wurden, teils abgegrenzt von jenem in ihrem doch auch schon ganz klar Figur-Sein. Diese bestimmte Art von Figuren in der Malerei nenne ich „Verlorene Figurationen“.
Der „Mythos der Verlorenen Figurationen“ ist der Mythos der menschlichen Existenzerfahrung. So sind auch wir als zu Bewusstsein gekommene Wesen in eine uns abstrakte Natur hineingeboren worden, mit der wir uns verbunden und doch in unserer Einzelheit getrennt wahrnehmen. In diesem Schwebezustand fühlen wir uns unweigerlich verloren und suchen uns über unser Leben hinweg aus dieser Verlorenheit zu erheben, um schließlich zu einer Art von erhabener Ganzheit zu gelangen und damit das Rad des Ixion zum Stillstand zu bringen.

„… der Sturm der Leidenschaften, der Drang des Wunsches und der Furcht und alle Qualen des Wollens sind dann sogleich auf eine wundervolle Art beschwichtigt … Glück und Unglück sind verschwunden: Wir sind nicht mehr das Individuum, es ist vergessen … wir sind nur noch da als das eine Weltauge, das aus allen erkennenden Wesen blickt, im Menschen allein aber völlig frei vom Dienste des Willens werden kann, wodurch aller Unterschied der Individualität so gänzlich verschwindet, dass es alsdann einerlei ist, ob das schauende Auge einem mächtigen König oder einem gepeinigten Bettler angehört.“
- Arthur Schopenhauer (aus „Das Rad des Ixion steht still“)

Phil Wolf

Ausstellungen

Humanity Restored

(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography
(c) Marco Pallaoro Photography